Joghurt nach Antibiotika 💊

Durchfall ist ein häufiges Symptom bei der Einnahme von Antibiotika. Wie schützen Dich Joghurt und Probiotika vor diesem Durchfall?

Durchfall bei jeder Antibiotika-Behandlung?

Bei 5 bis 39 %1 der Menschen, die Antibiotika einnehmen, folgt Antibiotika-assoziierter Durchfall (AAD). Dies muss nicht unmittelbar bei der Einnahme entstehen, sondern kann bis zu zwei Monate später folgen.

Die Antibiotika-assoziierte Diarrhö kann bei jedem Antibiotikum auftreten. Besonders häufig jedoch bei jenen, die negativ auf anaerobische Darm-Bakterien wirken. Beispielsweise Aminopenicilline, Cephalosporine und Clindamycin2.

Wie soll Joghurt bei Durchfall helfen?

In unserem Darm siedeln viele verschiedene Mikroorganismen. Diese Bakterien nennt man auch unser Darm-Mikrobiom. Dort arbeiten, als "gute" und "schlechte" bekannte, Bakterien zusammen bzw. halten sich gegenseitig in Schach.

Eine Antibiotika-Kur kann dieses Gleichgewicht stören. Probiotika sowie probiotische Joghurts sollen dabei helfen, das unausgeglichene Mikrobiom wieder zu normalisieren.

Die im Joghurt enthaltenen probiotischen Bakterien sind keine dauerhaften Darmbewohner. Daher ist die Wirkung nur für die Dauer der Einnahme gegeben. Ein regelmäßiger Verzehr kann daher vorteilhaft sein.

Probiotika wirkt bei AAD

In einer Meta-Studie1 wurden 17 Studien konsolidiert und bewertet. Ziel war es herauszufinden, ob Probiotika Gaben bei der Behandlung mit Antibiotika vor Durchfall schützen.

Die Daten von 3631 Patienten ergaben, dass die Einnahme eines Probiotikum das Risiko für Antibiotika-assoziierten Durchfall(AAD) um 51 % senken kann. Dabei wurden keine offensichtlichen Nebenwirkungen verzeichnet.

Hilft Joghurt bei Antibiotika-Durchfall

Probiotika aus der Apotheke gelten nicht als günstig. In einer Studie3 wurde daher geprüft, ob bereits üblicher Joghurt aus dem Supermarkt einen positiven Effekt auf AAD haben kann.

Die Patienten benötigten eine einwöchige Antibiotika-Kur. Währenddessen haben zwei von drei Gruppen täglich 150 ml Joghurt bekommen.

GruppeJoghurtkulturenPatienten mit AAD
1Kein Joghurt14 %
2Joghurt von S. thermophillus,
L. delbrueckii subsp. bulgaris
11 %
3Joghurt von S. thermophillus,
L. acidophilus,
B. anamalis subsp. lactus
7 %

Obwohl die Patienten mit Joghurtkonsum weniger Durchfall verzeichneten, war das Ergebnis nicht signifikant genug. Die Forscher bewerteten die Studie als gescheitert. Für zukünftige Studien empfehlen sie größere Joghurt-Gaben von z.B. 250 ml und einen pasteurisierten Joghurt als Placebo. Diese beiden Änderungen könnten zu sinnvolleren Ergebnissen führen.

Welche Joghurts sind empfehlenswert?

Joghurts mit probiotischen Kulturen können von Vorteil sein. Joghurt-Mischerzeugnisse sollten hingegen gemieden werden. Hierbei handelt es sich um einen pasteurisierten Joghurt, welcher keine lebendigen Bakterien mehr beinhaltet.

Welche Probiotika sind wirkungsvoll?

Die Meta-Studie1 stellte fest, dass Lactobacillus rhamnosus GG gefolgt von Saccharomyces boulardii die beste Wirkung zeigten.

Die Hefe Saccharomyces boulardii wird in vielen Präparaten gegen Durchfall oder dessen Prävention verwendet. Diese findest Du nicht in Joghurt, da hier ausschließlich Milchsäurebakterien vorherrschen.

Das Milchsäurebakterium Lactobacillus rhamnosus kommt häufig in Käse vor. Doch auch bei Joghurt ist diese Kultur zu finden, wenn auch weniger häufig.

Darf ich Joghurt essen?

Die Milchspeise ist nicht in jedem Falle hilfreich. Es gibt manche Antibiotika-Arten, welche durch den Verzehr von Joghurt in ihrer Wirkung gehemmt werden können.

Ob Milchprodukte einen negativen Effekt haben, kann man der Packungsbeilage entnehmen oder durch ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt herausfinden.

Was sind Antibiotika?

Der Begriff "Antibiotika" kommt vom griechischen "anti" für "gegen" und dem griechischen "bios" für "Leben". Wirkstoffe, die hauptsächlich zur Bekämpfung von Infektionen mit Bakterien verwendet werden.

Die sogenannten Antimykotika (vom griechischen Wort "mycos" für "Pilz"), sind spezielle Antibiotika. Diese werden gegen Pilzerkrankungen eingesetzt.

Eines der bekanntesten und ältesten Antibiotika ist das Penicillin.


  1. Blaabjerg, Sara, u. a. „Probiotics for the Prevention of Antibiotic-Associated Diarrhea in Outpatients—A Systematic Review and Meta-Analysis“. Antibiotics, Bd. 6, Nr. 4, Oktober 2017, S. 21, [doi: 10.3390/antibiotics6040021↩︎ ↩︎ ↩︎

  2. Wistrom, J. „Frequency of antibiotic-associated diarrhoea in 2462 antibiotic-treated hospitalized patients: a prospective study“. Journal of Antimicrobial Chemotherapy, Bd. 47, Nr. 1, Januar 2001, S. 43–50, doi:10.1093/jac/47.1.43. ↩︎

  3. Conway, Shaun, u. a. „Does Eating Yogurt Prevent Antibiotic-Associated Diarrhoea? A Placebo-Controlled Randomised Controlled Trial in General Practice“. British Journal of General Practice, Bd. 57, Nr. 545, Dezember 2007, S. 953–59, [doi: 10.3399/096016407782604811↩︎

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

💊 Kann man Antibiotika mit Joghurt einnehmen?

Nicht jedes Antibiotikum erlaubt Milch/Milchspeisen. Die Wirkung des Antibiotikums könnte dadurch gehemmt werden. Prüfe daher in der Packungsbeilage Deines Medikaments, ob die Einnahme möglich ist. Sollte diese erlaubt sein, sollten Antibiotika und Joghurt getrennt eingenommen werden. Das Antibiotikum könnte sonst im Magen die Milchsäurebakterien zusätzlich abtöten.
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